Am 27. August 2026 beging die Freiherr-vom-Stein-Schule an ihrer alten Wirkungsstätte in der Spilburg ihr Bestehen seit 1922 mit einem Festakt. Dabei trugen das Bläser- und Streicherensemble anspruchsvolle Musikstücke aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi, bekannte Melodien von Ferenc Farkas sowie das geistliche Stück „Dona nobis pacem“ vor. Der Chor sang mit höchstem Einfühlungsvermögen das Hessenlied, das Anja Börner anlässlich des 80jährigen Jubiläums des Landes Hessen neu vertont und mit ihren Schülerinnen und Schülern einstudiert hat. In einem Vortrag zeigte der Schulleiter Dr. Marcus Schnöbel anhand zahlreicher Bilder und Dokumente, wie eng die Schul- und Stadtgeschichte miteinander verflochten sind. Dabei wurde deutlich, dass die von vielen Wendungen, aber auch Verbindungen getragene Historie der Schule von drei Strängen zusammengehalten wird: dem Angebot eines Bildungsaufbaus nach der Volksschule, dem Status als allgemeinbildende Schule in Wetzlar und der durchgehenden Benennung nach dem Freiherrn vom Stein. Ein Kollege hatte letztes Jahr die Anfänge der Schule in den 1920er Jahren wiederentdeckt.

Im Nachgang der Jubiläumsfeier bedauert der Schulleiter missverständliche Formulierungen in der Festschrift, entschuldigt sich für die Irritationen und begegnet diesen durch Aufklärung. Das Kollegium hat im Rahmen einer Personalversammlung nachfolgende Erklärung abgestimmt, der sich der Schulleiter ausdrücklich anschließt: „Unsere Schule steht für Vielfalt. Die aktuellen öffentlichen und medialen Diskussionen rund um die Jubiläumsfestschrift haben in der Schulgemeinde sowie in der Öffentlichkeit zu spürbaren Irritationen und Verunsicherungen geführt. Wir möchten deshalb unmissverständlich klarstellen: Wir distanzieren uns entschieden von rechtspopulistischen, rechtsextremen, völkischen und ausgrenzenden Positionen sowie Äußerungen und Haltungen, die in diese Richtung interpretiert werden können. Aussagen über ´raumfremde Mächte´ oder die Darstellung gesellschaftlicher und demografischer Entwicklungen als ´Katastrophe´ teilen wir ausdrücklich nicht. Wo Sprache und Deutungsmuster an rechtsextreme Ideologien anschließen, ist für uns eine klare Abgrenzung notwendig. Die aktuellen Diskussionen stehen für viele im Kollegium nicht isoliert im Raum. Sie berühren vielmehr grundlegende Fragestellungen unserer täglichen Arbeit: Als Lehrkräfte stehen wir für Menschenwürde, Vielfalt, Toleranz, Pluralismus und eine offene demokratische Gesellschaft. Schule muss ein Ort sein, an dem kontrovers diskutiert wird – aber Kontroversität bedeutet nicht Beliebigkeit. Gegen menschenfeindliche und rechtsextreme Denkmuster kann es für uns keine neutrale Haltung geben. Wir als Kollegium stehen für das, was Schule sein muss: ein Ort der Bildung, der Menschlichkeit und der Demokratie.“

Die feierliche Veranstaltung am 27. August 2026 wurde ausschließlich aus schuleigenen Mitteln bezahlt. Der Förderverein der Freiherr-vom-Stein-Schule hat in der Hoffnung auf einen vollständigen Verkauf der Auflage dankenswerterweise die Druckkosten für die Festschrift finanziert. Das reich bebilderte Buch ist für den Selbstkostenpreis von 25 Euro im Sekretariat der Schule erhältlich. Einen ersten Überblick über die Schulgeschichte findet sich in der Diaschau.